Mit Marco Billeter verstärkte die Ernst Schweizer AG ihren Verwaltungsrat um eine Persönlichkeit, die langjährige unternehmerische Erfahrung mit ausgeprägtem gesellschaftlichem Engagement verbindet. Der gelernte Jurist hat sich als Unternehmer auf die Beratung und Neuausrichtung mittelständischer Industrieunternehmen spezialisiert und ist heute in verschiedenen Branchen tätig. Als Mitgründer von EDUCA SWISS engagiert er sich zudem für Chancengerechtigkeit in der Ausbildung. Im Gespräch legt er dar, was ihn in seiner neuen Rolle motiviert, welche Chancen er für das Unternehmen sieht und welche Werte sein Handeln prägen.

 

Marco, was motiviert dich, immer wieder neue Aufgaben und Verantwortungen zu übernehmen?

Meine Motivation hat sich über die Jahre verändert. Je älter ich werde, desto stärker rückt das Weitergeben von Erfahrung in den Vordergrund – und das Begleiten der nächsten Generation beim Bewältigen komplexer Herausforderungen.

Welche Werte leiten dich in deinen unternehmerischen Entscheidungen?

Unternehmerische Nachhaltigkeit. Mich interessiert immer die Frage: Welche Wirkung haben die Entscheidungen von heute auf das Unternehmen von morgen?

Gibt es eine berufliche Erfahrung, die dich besonders geprägt hat oder deine Sicht auf Führung beeinflusst hat?

Mein erster Chef Dr. Alex Krauer bei Novartis – damals noch Ciba-Geigy – hat mich stark geprägt. Er gehörte zu den Ersten, die den Gleichklang von unternehmerischer, sozialer und ökologischer Verantwortung aktiv gelebt und vermittelt haben.

Du hast Rechtswissenschaften an der Universität St. Gallen studiert. Was hat dich dazu motiviert?

Ursprünglich wollte ich BWL studieren, habe aber schnell grosses Interesse an den juristischen Fächern entwickelt. Auch wenn ich nie als Jurist tätig war, habe ich bis heute gleich viel Freude an rechtlichen Fragestellungen wie an betriebswirtschaftlichen.

Nach deiner Zeit bei Novartis hast du dich auf Sanierungen spezialisiert. Was hat dich daran gereizt?

Das war eher opportunistisch. Mit 34 habe ich mich selbständig gemacht und mangels grosser Rücklagen eine insolvente – und damit günstige – Verpackungsfabrik übernommen. Die Erfahrungen aus diesem Turnaround konnte ich später immer wieder erfolgreich einsetzen.

Du begleitest seit vielen Jahren KMU bei Transformationen. Welche Themen begegnen dir immer wieder?

Es geht häufig um strategische Klarheit, um die Rolle der Führung in Veränderungsprozessen und um die Fähigkeit, Organisation, Kultur und Geschäftsmodell gleichzeitig weiterzuentwickeln.

Welche besonderen Herausforderungen siehst du aktuell für mittelständische Industrieunternehmen?

Die Planbarkeit nimmt deutlich ab. Produkt- und Marktzyklen werden kürzer und volatiler, ganze Wertschöpfungsketten können sich in kurzer Zeit verändern, dies durch enorm schnellen technologischen Wandel, durch verändernde Kundenbedürfnisse oder leider auch durch sich immer schneller ändernde politische Massnahmen. Letzteres tangiert uns bei der Schweizer ganz konkret im Bereich Solarsysteme.

Was hat dich bewogen, das Mandat im Verwaltungsrat der Ernst Schweizer AG anzunehmen?

Ich nehme Mandate nur an, wenn ich an die Lösungen substanziell beitragen kann. Meine langjährige Erfahrung im Metallbau und in der mittelständischen Industrie gibt mir eine gute Basis, Schweizer fachlich zu begleiten und mitzugestalten.

Wo siehst du für die drei Geschäftsbereiche von Schweizer die grössten Chancen in den kommenden Jahren?

Eine zentrale Chance liegt im weiteren Ausbau der Kundennähe. Insbesondere im Zuge von personellen Wechseln in den Vertriebsteams – sowohl im Bereich Solarsysteme als auch bei den Fenstersystemen – eröffnet sich die Möglichkeit, bestehende Kundenbeziehungen zu vertiefen und noch näher an den Projekten und Bedürfnissen der Kunden zu sein. So kann Schweizer sein technisches und marktseitiges Potenzial in allen drei Geschäftsbereichen noch konsequenter ausschöpfen.

Und dann gibt es in jedem Bereich unterschiedliche Chancen. So sehen wir für den dafür zuständigen Geschäftsbereich Briefkästen spannende Möglichkeiten im Zusammenhang mit den neuen Auflagen für Zivilschutzanlagen. Es gilt, solche Möglichkeiten rechtzeitig zu erkennen und fokussiert zu realisieren.

Und wo liegen die grössten Herausforderungen?

Die Veränderungen im Wettbewerbsumfeld und in den politischen Rahmenbedingungen haben von Schweizer in den vergangenen Jahren viele kleinere, teilweise aber auch grössere Anpassungen verlangt. Dieser Prozess und die damit verbundenen Wechsel in der Führung sind nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Mitarbeitenden eine grosse Herausforderung.

Du bist Mitgründer von EDUCA SWISS. Welche Idee stand am Anfang dieses Projekts?

Bereits vor EDUCA SWISS gab es einen Verein mit einem Modell der Bildungsförderung aus Coaching und Finanzierung. Der Gründer war überfordert. Wir vier Stifter sind eingesprungen und haben daraus eine professionelle Stiftung mit heute elf Mitarbeitenden aufgebaut.

Inwiefern beeinflusst dieses Engagement deine Arbeit als Unternehmer oder Verwaltungsrat?

Ehrlicherweise ist es umgekehrt: Mein unternehmerisches Denken prägt meine philanthropische Tätigkeit stark – insbesondere in Bezug auf Wirkung, Skalierbarkeit und langfristige Verantwortung.

Marco Billeter studierte Rechtswissenschaften an der Universität St. Gallen. Nach verschiedenen Führungsfunktionen bei der Novartis AG spezialisierte er sich auf die Sanierung und strategische Neuausrichtung mittelständischer Industrieunternehmen. Heute ist er als Investor und Verwaltungsrat in unterschiedlichen Branchen tätig, darunter Verpackung, Haustechnik, Metall- und Fahrzeugbau.

Als Mitgründer von EDUCA SWISS verwirklicht Marco Billeter sein Anliegen, einen Teil seiner Ressourcen in ideelle Bildungsprojekte zu investieren. Mit dem Engagement für die Förderung von Auszubildenden durch Führungskräfte knüpft er an seine langjährige Unterstützung des St. Gallen Management Symposiums an.